EmK BraunschweigSie sind hier: Startseite > Termine > Andacht September 2026 Monatsandacht September 2026Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll Prediger 4, 6 Kürzlich fragte mich eine Freundin, wann wir denn endlich unseren schon länger ausstehenden Besuch in der Therme umsetzen wollen. Ein Blick in meinen Terminkalender hat wieder die ernüchternde Wahrheit offenbart: Ich habe alle Hände voll zu tun. Und manchmal sage ich das sogar ein bisschen stolz: Ich habe alle Hände voll zu tun. Als wäre ein voller Terminkalender ein Orden, den man sich ans Revers heften kann. Beim Elternabend lasse ich den anderen Eltern gerne den Vortritt, wenn es um die Wahl eines Elternvertreters geht. Die anderen haben sicherlich mehr Zeit. Schließlich habe ich ja … alle Hände voll zu tun. Aber vielleicht ist ein voller Terminkalender auch gar nicht das Entscheidende. Denn auch wenn die Zahl der Termine irgendwann weniger wird, kann dieses Gefühl bleiben: Es ist einfach nie genug. Noch etwas im Garten machen. Das Haus in Ordnung bringen. Für die Familie da sein. In der Gemeinde helfen. Und natürlich gibt es immer jemanden, der scheinbar alles ein bisschen besser macht . Höher, besser, weiter. Wir vergleichen uns, wollen mithalten, etwas schaffen und etwas vorweisen können. Und irgendwann sitzen wir abends da und stellen fest: Wieder ist ein Tag vorbei. Wir haben viel erledigt – aber haben wir den Tag eigentlich auch genossen? Und dann lese ich diese kleine, fast unscheinbare Aussage aus dem Predigerbuch: „Besser eine Hand voll Ruhe als beide Hände voll Arbeit und Haschen nach Wind.“ Ich finde dieses Bild großartig. Denn normalerweise wollen wir doch möglichst beide Hände voll haben: beide Hände voll Möglichkeiten, Erfolg, Erlebnisse, Geld. Und Prediger sagt: Vielleicht ist eine Hand voll Ruhe besser. Das bedeutet nicht: Leg dich hin und mach gar nichts mehr. Es geht nicht darum, passiv zu werden. Es geht darum, zufrieden zu sein. Nicht immer der oder die Beste sein zu müssen. Nicht jeden Wettbewerb mitzumachen. Die eigenen Wünsche nicht ständig größer werden zu lassen. Vielleicht brauche ich tatsächlich weniger, als ich denke. Vielleicht muss ich nicht überall dabei sein. Vielleicht muss ich nicht mit jedem mithalten. Vielleicht darf etwas auch einfach einmal gut genug sein. Denn irgendwann stellt sich die Frage: Wofür das alles? Wofür immer höher, besser und weiter? Und was davon bleibt am Ende? Vielleicht ist es nicht die volle Hand, sondern die freie Hand, die wir manchmal brauchen. Eine Hand, die nicht beschäftigt ist. Eine Hand, die jemanden halten kann. Eine Hand, die einfach einmal sagt: Es ist gut. Es ist genug. Darum lade ich dich heute ein: Nicht zu einem weiteren Termin für den Kalender. Sondern zu einer Hand voll Ruhe. Einen Moment stehen bleiben. Durchatmen. Dankbar sein für das, was da ist. Denn manchmal ist weniger tatsächlich mehr. Und manchmal reicht eine Hand voll Ruhe völlig aus. Viola Liebern |
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