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Andacht September 2019

In modernerer Sprache, nämlich in einer Übersetzung von Konstantin Rösch aus dem Jahre 1937, lautet dieser Monatsspruch aus dem Matthäus-Evangelium, Kapitel 16, Vers 26 so: Denn was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber dabei seine Seele verliert?

Liebe Leserin, lieber Leser ! 

Ich habe auf meinem Handy so ein kleines Spiel, an dem man jeden Tag an einem Glücksrad drehen kann, um ein kleines Geschenk zu bekom­men. Dieses hilft dem Spieler, der Spielerin das Spielziel zu erreichen. Jeden Tag drehe ich also an diesem Glücksrad und erfreue mich an meinem Gewinn. Gewinnen macht Freude. Wir alle lieben es. Eine ganze Jahrmarktindustrie mit ihren Losbuden, Metallpferdrennen und Entenangeln lebt vom Streben des Menschen nach der Freude des Gewinnens. Doch was ist, wenn mein Einsatz den Wert des Gewinns übersteigt? Wenn das Kind feststellt, dass es sein ganzes Taschengeld investiert hat und den rosa Plüsch­elefan­ten dann doch nicht gewonnen hat. Wir alle wissen auch, der Drang gewinnen zu wollen, kann abhängig machen.

Die Welt zu gewinnen, das allerdings klingt doch sehr verlockend, nicht wahr? Aber wie könnte das denn gehen, die Welt gewinnen? Was nimmt der Mensch da in den Blick? Was ist das Ziel seines Strebens? Gewinn von Besitz, von Ansehen, mehr Zustimmung durch andere Menschen, schnelles Erreichen von Karrierezielen? Oder möglichst viele verschie­dene Länder bereisen, Erfüllung persönlicher Wünsche und Ziele, Opti­mierung des eigenen Körpers, Höchstzahl an Facebookfreunden und immer mehr Follower in den sozialen Medien? 

Immer mehr - ist das Fortschritt?

Immer mehr – immer besser – immer weiter. Das ist die Gefahr allen Gewinnens, denn man könnte ja noch mehr erreichen. „Du sollst auf­hören, wenn’s am schönsten ist!“, heißt ein wahres und vor allem schützendes Sprichwort. Doch leider sind wir Menschen wirklich schlecht darin rechtzeitig aufzuhören. In der Suche nach dem Meisten, dem Besten kann der Mensch sich selbst verlieren und folgt so bald nicht mehr den eigenen Zielen, sondern findet sich wieder als ein Getriebener. Was auch immer das sein könnte, die Welt zu gewinnen, Jesus warnt vor Seelenschaden durch Weltgewinn.

Es gilt zu überprüfen, was der Mensch in den Fokus seines Strebens stellt. Nach­folgerinnen und Nachfolger Jesu sind aufgefordert, die Perspektive zu ändern. Was ist es wirklich wert, dass ich mein Streben, meine Sehnsucht darauf richte? Was will ich gewinnen, und würde mir das guttun? Wieviel muss ich einsetzen, und stimmt die Gewinn-Verlustrechnung?

Über das, was der Mensch im Außen gewinnen kann, vergisst er oft den Blick nach innen zu richten. Jesus fordert auf, die eigene Seele nicht zu vergessen. Beschä­digte Seelen durch Weltgewinn. Seelsorgerinnen und Seelsorger kennen solche Seelenschäden: Burnout – Einsamkeit – Überforderung – Konsumsucht – Sucht nach Selbstoptimierung und die kleinen Schwestern davon: Unzufriedenheit und Langeweile.

oder schon: zu viel?

Wer ein Ziel in den Blick nimmt, muss lernen, an den richtigen Stellen „Ja“ und „Nein“ zu sagen. Wer „Ja“ sagt zum Reich Gottes, muss an anderen Stellen „Nein“ sagen zu dem eigenen Wunsch der Ich-Ausdehnung. „Ja“ und „Nein“ sagen kann uns vor dem „zu viel“ schüt­zen, auf das unsere Zeit einen Anspruch erhebt. Wer „Ja“ sagt zur Nach­folge Jesu, muss „Nein“ sagen zur Verlockung des Weltgewinns, muss sich selbst mäßigen, ein gutes Maß finden für ein neues Verhält­nis zu den alltäg­lichen Herausforderungen. Jesu Worte laden ein zur rechten Verhältnismäßigkeit, zu einer Mäßigung, um das rechte Ver­hältnis zur Welt und zur Seele zu finden. In diesem Sinne schützt die Nachfolge Jesu vor einem Schaden an der eigenen Seele: Heile Seele statt Seelenschaden. Jesus fordert uns auf, die Perspektive zu ändern und ihm nachzufolgen. Eine Nachfolge, die dann in mancher Hinsicht Verlust bedeuten kann. Letztlich ist dieser Verlust im Horizont des Reiches Gottes aber ein Gewinn.

Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's finden. Matthäus 16, 24+25.

Ihr und euer Pastor Dirk Liebern

(Bildnachweis:aaronwillcox29 / cc0 – gemeinfrei / Quelle: pixabay.com, gefunden bei: pfarrbriefservice.de )

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