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Andacht November 2019

 

Liebe Leserin, lieber Leser !

„Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt“ - Ein Satz keineswegs aus dem Neuen Testament, wie man beim ersten Lesen vielleicht vermuten könnte. Kein Satz eines Paulus oder eines Petrus, die beide auf verschiedenste Arten eine Begegnung mit dem Auferstandenen hatten. Nein, dieser Satz kommt von Hiob. Weiß er vielleicht mehr als die Menschen um ihn herum? Kennt er Gottes Plan? Wir wissen es nicht. Doch mit diesem Satz spricht Hiob eine Hoffnung aus, die auch uns gilt. Das, was Hiob in seiner Situation in Gott erkennt, dürfen auch wir durch Jesus erfahren.

Das Dennoch des Glaubens

Doch beginnen wir ganz am Anfang des Satzes. Das „aber“ lässt aufhorchen. Immer wenn das Wort „aber“ auftaucht oder gesprochen wird, stellt es einen Gegensatz dar. Hiob widerspricht. So kennt man ihn: Hiob, der Rebell gegenüber Gott und seinen Freunden. Hiob, der leidenschaftliche Streiter gegen das ihm zu Unrecht zugefügte Leid. Doch wenn Hiob an dieser bestimmten Stelle „aber“ sagt, kommt noch etwas Anderes zum Vorschein, nämlich eine neue Perspektive, eine Hoffnung: Dieses „Aber“ zeigt uns, dass die Geschichte noch nicht zu Ende erzählt ist. Dieses „Aber“ stellt sich nicht gegen irgendeine Person, sondern es stellt sich gegen das Leid. Das Leid hat nicht das letzte Wort und Hiob erkennt: „Ich bin mit meinem Leid – trotz allem – nicht allein. Ich bin kein bedauerlicher Ausnahme­fall. Wenn nur meine Geschichte aufgeschrieben würde, würde es jeder erken­nen.“ Hiob steht exemplarisch für alle Menschen, die wie er unter dauer­haften, unerträglichen Schmerzen leiden. Und er steht dafür ein, dass mit diesem Leid noch nicht alles gesagt ist.

Die Situation für Hiob, für seine Freunde und auch für Hiobs Frau ist unerträglich. „Mach dem ein Ende, Hiob. Frevle Gott und stirb!“ rät ihm seine Frau. Doch was hält Hiob in diesem Leben? Was lässt ihn ausharren? Es sind zwei Dinge. Zuerst ist es die Autorität Gottes. Hiob weiß tief in seinem Herzen – es ist nicht an ihm ihn sterben zu lassen. Der Tod, genauso wie das Leben liegen einzig und allein im Autoritätsbereich Gottes. Und auch seine Frau weiß das, denn nur der Frevel würde es Hiob ermöglichen, sich selbst das Leben zu nehmen. In Gottes Gegenwart ist der Tod keine Option für Hiob.

Licht bricht sich Bahn

Und dann, in dem Streit, den Hiob mit Gott und seinen Freunden führt, beginnt er etwas Neues zu sehen. Weil Hiob an Gott dranbleibt, mit ihm hadert, ihm in den Ohren liegt, bricht sich plötzlich Hoffnung Bahn. Es ist der Weg, der das Leid, die Not und das Elend des Einzelnen und der Welt in einem anderen Licht erscheinen lässt. Nicht in einem Licht, das wie mit einem Schalter einfach angeknipst wird, sondern dasss sich immer wieder erst hartnäckig – mit einem „aber“ – gegen das Dunkel wehren und durchsetzen muss.

Gott als Fürsprecher entdecken

Hiob weiß, dass er in Gott trotz allem einen Fürsprecher, einen „Erlöser“ hat – auch wenn Gott ihm in seiner jetzigen Situation bloß als willkürlicher Zerstörer seines Lebens erscheint. Hiob vertraut fest darauf, dass er diese erlösende Seite Gottes eines Tages „sehen“ wird, selbst wenn er jetzt und bis dahin, wie er sagt, nur noch aus Haut und Knochen besteht. Gott wird ihm nicht mehr als Fremder, sondern als Freund und Retter erscheinen. Wie das? Indem Hiob die Welt aus Gottes Sicht und nicht nur aus seiner eigenen Sicht sehen lernt. Indem Hiob im Sehen Gottes etwas Lebendiges wahrnimmt, das ihm selbst dann nicht entrissen werden kann, wenn ihm alles sonst Lebensnotwenige genommen wurde. Unser Glaube an Jesus Christus ist dieses „Sehen“ Gottes. Es ist das Wahrnehmen einer Liebe, die unser Leben auch dann erhellt, wenn alles um uns herum im Dunkeln liegt. „Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“, das ist das Geheimnis von Erlösung.

Ihr und euer Pastor Dirk Liebern

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