Monatsandacht März 2020

Jesus Christus spricht: Wachet! (Mk 13, 37)

 
Pass auf! 

„Pass auf!“ Das musste ich meiner Tochter Magdalena schon des Öfteren zurufen, um Schlimmeres zu verhindern. Wie geht es dir, wenn dir das jemand zuruft?

Das hängt natürlich stark vom Tonfall oder der Mimik ab, ob es drohend klingt wie: "Pass auf, was Du sagst …" oder fürsorglich wie: "Pass auf Dich auf!" – In diesem zweiten, fürsorglichen Sinn meint es Jesus, wenn er "Wachet!" sagt. Wie könnte es anders sein, wenn der, in dem die Liebe Gottes Mensch geworden ist, in allerbester Absicht zu seinen Freunden spricht? "Passt auf Euch auf".

Beunruhigende Perspektiven

Was meint Jesus hier? Woran denkt er dabei? Im Markus Kapitel 13 redet er von beunruhigenden Dingen, die in der Zukunft geschehen werden:

Er denkt an den Tempel, dem heiligen Zentrum, der 70 n. Christus, als die Römer einen Aufstand der Juden niederschlagen, zerstört werden wird. Andere Men­schen werden Christen verfolgen, einsperren, foltern, mundtot machen und töten. Das geschieht bis heute in vielen Ländern, die keine demokratischen Frei­heiten kennen. Am Ende der Zeit, sagt Jesus, werden Katastrophen die Welt er­schüttern und an den Rand der Vernichtung bringen. Manchmal scheint es, als wenn diese Szenarien angesichts der ökologischen Probleme und der Sprengkraft von modernen Waffensystemen gar nicht so undenkbar sind.

Aber auch in unserer Kirche, in unseren Gemeinden, sind die Probleme riesig, scheinen unüberwindbar und können uns schon mal um den erhol­samen Schlaf bringen.

Der Zuspruch bleibt bestehen

Aber – und das ist ein ganz dickes Aber: Jesus sagt auch: "Wenn Himmel und Erde vergehen – meine Worte werden nicht vergehen!" Das heißt: Gottes lebens­schaffendes Wort, das Wort von der Befreiung von Schuld, von dem daraus folgenden Frieden, von der sich breitmachenden Liebe, dieses Wort gilt durch das alles hin­durch. Die Zusage der Hoffnung, dass der Tod seine Macht verloren hat, dass nicht der Hass, sondern die Liebe regieren wird, übersteht alle lebensfeindlichen Ereignisse. Der Zuspruch der Nähe Gottes, der uns auch in den dunkelsten Zeiten nicht allein lässt, bleibt für immer bestehen und ist im Hier und Jetzt schon gültig. Wer Jesus an seiner Seite weiß, der kann auch, wenn die stürmischen Wogen des Lebens über einen oder eine hereinbrechen, sagen: „Ich bin auf festem Grund gebaut – du wirfst mich nicht um!“

Lasst Euch durch nichts die Hoffnung rauben

Darum sagt Jesus: "Wachet!" – Das bedeutet: "Lasst Euch durch nichts Eure Hoffnung rauben. Lasst Euch durch kein Erleben von Eurem Vertrauen auf Gott abbringen. Und werdet nicht müde in Eurem Auftrag."

In diesem Glauben begannen die ersten Methodisten Gemeinden zu gründen. Sie zogen als Wanderprediger durchs Land, um den Menschen direkt in ihren Lebens­situationen begegnen zu können. Dabei mussten sie mit Widerständen, Proble­men, Gefahren und Nöten fertig werden! Und viele überstanden all das nur, weil sie aus ihrem festen Vertrauen auf den lebendigen Gott immer wieder Kraft bezogen, nicht aufzugeben.

Heute richten wir uns anders aus, leben anders und vieles ist nicht mehr so wie „in der guten alten Zeit“. Wobei ich mich manchmal frage, ob wir nicht wieder zu alten Tugenden zurück müssten. Das heißt, es muss ja nicht jeder Prediger gleich ein Pferd bekommen, aber den Grundgedanken, die Kirche zu den Menschen zu bringen, und nicht umgekehrt darauf zu warten, dass die Menschen unsere Kirche betreten, finde ich hochaktuell.

Doch auch, wenn wir in anderen Zeiten leben, dürfen wir darauf vertrauen, dass Jesu Worte ihre Bedeutung behalten bis ans Ende der Zeit. Und dass Menschen nach wie vor existentielle Hilfe durch andere Menschen brauchen, die sich nicht entmutigen lassen.

Das können die Menschen in unserer Nachbarschaft sein, oder aber auch Menschen in Ländern, die wir vielleicht im Leben niemals sehen werden. Es ist nicht die Entfernung, die uns dabei zu schaffen macht – es ist die Ausrichtung unseres Herzens, das immer ein wenig dazu neigt, erst einmal nach innen statt nach außen zu schauen.

„Wachet“ ruft uns Jesus zu. Und vielleicht ist das ja auch der Weckruf, den du gebrauchen kannst.

 

Ihr und euer Pastor Dirk Liebern