EmK BraunschweigSie sind hier: Startseite > Archiv von Andachten > Andacht Juni 2026 Monatsandacht Juni 2026Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen; Hebräer 13, 3 Sagt der Gefängnispfarrer bei der Entlassung seines langjährigen Schützlings: "Ich Man schmunzelt über diesen Witz – und doch bleibt etwas hängen. Der Pfarrer meint es gut, aber zwischen guter Absicht und wirklichem Verstehen liegt oft ein großer Abstand. Sicherlich waren die Gefangenen, an die der Schreiber denkt, aus anderen Gründen im Gefängnis als der Mann aus dem Witz. Die ersten Christen litten oft unter Verachtung und Verfolgung. Manche wurden tatsächlich eingesperrt, weil sie an Jesus glaubten. Und bis heute werden Christen weltweit verfolgt. Da haben wir es hier ziemlich bequem. Vielleicht werden wir manchmal müde belächelt für unseren Glauben – aber große Einschränkungen erleben wir nicht. Trotzdem geht dieser Vers auch uns heute direkt an. Denn Gefängnisse gibt es viele. Nicht alle haben Mauern und Gitterstäbe. Menschen können gefangen sein in Süchten, Schuldgefühlen, Einsamkeit oder psychischen Nöten. Manche sitzen im Krankenhaus fest, andere in ihrer Angst oder ihrer Hoffnungslosigkeit. Und genau da wird dieses Wort herausfordernd. „Gedenkt“ meint nämlich mehr als: „Vergesst sie nicht.“ Es bedeutet: Stell dir vor, du wärst selbst dort. Spür innerlich mit. Lass das Schicksal des anderen an dich heran. Der Hebräerbrief fordert eine Empathie, die unsere Bequemlichkeit durchbricht. Nicht nur: „Wie traurig, dass es anderen schlecht geht“, sondern: „Versetze dich hinein. Wie würde es dir gehen?“ Vielleicht ist das eine der großen Gefahren unserer Zeit: Dass wir uns an das Leid anderer gewöhnen. Wir sehen Krisenbilder, lesen Schlagzeilen, hören von Krankheiten, Süchten oder Einsamkeit – und blättern oder scrollen weiter. Nicht unbedingt aus Bosheit. Sondern weil wir gelernt haben, Abstand zu halten. Aber christlicher Glaube bedeutet nicht, sich bequem zurückzulehnen. Jesus selbst hat sich berühren lassen von der Not der Menschen. Und er ruft auch uns dazu auf, nicht wegzusehen. Empathie heißt: Ich lasse das Schicksal des anderen an mich heran. Und es geht noch einen Schritt weiter: Dieses Wort meint mehr als dass die Inhaftierten bedauert werden. Es will mehr als dass nur für sie gebetet wird. Es schließt ein, dass die Gefangenen besucht werden. Teils konnten sie früher nur auf diese Weise mit Nahrung und Kleidung ausgestattet werden. In einigen Fällten gelang es sogar sie freizukaufen. Dazu galt es in der Gemeinde Geld zu sammeln. „Gedenkt der Gefangenen“ – das ist deshalb nicht nur ein schöner Gedanke, sondern ein Aufruf zum Handeln. Wie das konkret aussehen kann, muss jede und jeder für sich entdecken. Lasst uns dafür beten, dass Gott unsere Herzen weich hält. Dass wir Menschen nicht vorschnell abstempeln. Dass wir den Mut haben, anderen wirklich zuzuhören – nicht von oben herab, sondern auf Augenhöhe. Und dass wir uns bewegen lassen – in Bewegung setzen lassen – hin zu den Gefangenen, zu den Kranken, zu denen, die Hilfe benötigen. Denn in unseren bedürftigen Mitmenschen begegnen uns Jesus selbst: „Ich war nackt und ihr habt mir etwas anzuziehen gegeben; ich war krank und ihr habt mich versorgt; ich war im Gefängnis und ihr habt mich besucht.“ (Matthäus 25, 36) Viola Liebern |
Powered by CMSimple| Template: ge-webdesign.de| Login