EmK BraunschweigSie sind hier: Startseite > Archiv von Andachten > Andacht Juli/August 2026 Monatsandacht Juli/August 2026Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Amos 5, 24 Während unseres Familienurlaubs im Schwarzwald vor einigen Jahren habe ich mit unseren Kindern im Wald einen Staudamm gebaut. Ein kleiner Bach plätscherte fröhlich und harmlos zwischen den Bäumen dahin. Schon Generationen vor uns haben dieses Spiel mit ihren Kindern gespielt – oder es selbst als Kinder erlebt. Vielleicht auch Sie. Da werden passende Steine und Stöcke gesucht, ausprobiert und neu angeordnet. Man tüftelt an der richtigen Technik, damit der Damm möglichst stabil wird. Und dann kommt immer wieder dieser faszinierende Moment: Trotz aller Mühe findet das Wasser seinen Weg. Es sucht sich eine kleine Ritze, bahnt sich einen neuen Lauf und fließt weiter. Wasser lässt sich nicht dauerhaft einsperren. Genau dieses Bild verwendet der Prophet Amos. Gott wünscht sich, dass Recht und Gerechtigkeit nicht nur gelegentlich sichtbar werden oder an einzelnen Stellen aufblitzen. Sie sollen unser Leben durchdringen wie Wasser, das alles umspült. Wie sähe eine Gesellschaft aus, in der Menschen geschützt werden, ehrlich miteinander umgehen und niemand benachteiligt wird? Eine Gesellschaft, in der all das aus einer Herzenshaltung erwächst: aus der Treue zu Gott, aus dem respektvollen Umgang miteinander, aus Barmherzigkeit, Verlässlichkeit und dem Wunsch, Beziehungen zu heilen statt zu zerstören. In einer solchen Gesellschaft kann Leben wachsen und aufblühen. Ist das eine Utopie? Wenn wir auf unsere Welt schauen, scheint es manchmal so. Und doch sind wir als Gläubige genau hier gefragt – jede und jeder Einzelne, aber auch wir gemeinsam als Kirche. Amos richtet seine Worte an Menschen, die Gottesdienste feiern und religiöse Feste begehen – so wie wir. Doch Gott macht deutlich: Schöne Lieder und fromme Worte allein genügen nicht. Entscheidend ist, ob sich unser Glaube im Alltag widerspiegelt. Ob Recht und Gerechtigkeit tatsächlich durch unser Leben fließen. Kirche wird dort relevant, wo Menschen erleben: Hier wird ehrlich gehandelt. Hier werden Schwache gestärkt. Hier wird vergeben. Hier übernehmen Menschen Verantwortung. Dann wird Gottes Liebe sichtbar – nicht nur im Gottesdienst, sondern mitten im Leben. Wasser bringt Leben hervor. Wo es fließt, wächst Neues. So sollen auch Recht und Gerechtigkeit Leben fördern und Hoffnung wachsen lassen – in unseren Familien, Gemeinden, Nachbarschaften und in unserer Gesellschaft. Damit aus einer Vision Schritt für Schritt Wirklichkeit wird. Der Monatsspruch für August knüpft daran an. Jesus sagt: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Johannes 10,10). Dieses Leben in Fülle ist mehr als materieller Wohlstand. Es beginnt dort, wo Gottes Liebe unser Herz verändert und Recht und Gerechtigkeit unser Miteinander prägen. Wo Menschen fair behandelt werden, Barmherzigkeit erfahren und Versöhnung möglich wird, da wird etwas von diesem erfüllten Leben sichtbar. Vielleicht ist das wie mit dem Wasser im Bach: Es findet seinen Weg – langsam, beharrlich und manchmal ganz unscheinbar. So kann auch Gottes Gerechtigkeit durch unser Leben fließen und die Welt verändern. Nicht auf einen Schlag, aber dort, wo wir ihr Raum geben. Viola Liebern |
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