Monatsandacht Dezember 2019

Liebe Leserin, lieber Leser !

Die Monate November und Dezember sind die dunkelsten Monate im Jahr. Anfang November geht die Sonne kurz vor sieben Uhr auf und zehn Stunden später wieder unter, gegen fünf Uhr abends. Kurz nach halb sieben Uhr ist bereits stockfinstre Nacht, bis morgens um Vier­tel nach fünf Uhr die erste Dämmerung einsetzt. Ende November findet der Sonnenaufgang eine Dreiviertelstunde später statt - erst nach zwanzig vor acht Uhr. Sonnenuntergang ist eine halbe Stunde früher - schon gegen halb fünf Uhr abends. Zum Monatsende bleiben uns weniger als neun Stunden Sonnenlicht am Tag. Elfeinhalb Stun­den lang ist der Himmel nachtschwarz, von Viertel nach sechs Uhr bis kurz vor sechs Uhr. Ein kleiner Trost: Sehr viel schlimmer wird es nicht mehr! Der kürzeste Tag des Jahres, die Wintersonnenwende am 21. Dezember, wird nur zwanzig Minuten kürzer sein als der 30. November.

Es ist Nacht, wenn ich morgens meine Tochter Magdalena zur Schule schicke und viele unserer Nachbarn zur Arbeit fahren. Es ist wieder Nacht, wenn sie spät­nachmittags nach Hause kommen. Das kann auf die Stimmung drücken. "Dagegen hilft vielleicht eine Lichttherapie. Gehen sie doch regelmäßig auf die Sonnenbank“, hat mir eine Ärztin mal empfohlen.

Im noch dunkleren Skandinavien werden im Winter dafür ganze Räume und Hallen besonders erleuchtet, wo man sich im sonnen­ähnlichen Licht seelisch erholen kann. Erholen von der Dunkelheit draußen und dem permanenten Vitamin-D-Mangel. Gegen das fehlende äußere Licht kann man also etwas tun. Aber was machen wir, wenn es um unsere Seele immer finsterer wird oder in unserer Gesellschaft und Welt?

In solch eine dunkle Stunde spricht auch Jesaja hinein. Sein Volk ist verschleppt, Jerusalem und der Tempel zerstört – kein stolzes Gottesvolk mehr, ja vielleicht sogar kein Gott mehr. Und trotz allem ist es der Rat Jesajas, auf den Namen des Herrn zu vertrauen und sich auf seinen Gott zu verlassen. Das sagt er zu seinen Landsleuten, die weit weg von Jerusalem in ihrem Exil in Babylon verzweifeln; das sagt er auch zu sich, wenn er von eben diesen Landsleuten ver­spottet wird, weil er glaubt, dass der Gott Israels immer noch herrscht, dass Gott vergeben hat und dass es eine Hoffnung auf Rückkehr gibt.

Die Unverfügbarkeit Gottes

Ist es für uns nicht genau so beunruhigend, wenn wir den Eindruck haben, Gott ist gar nicht mehr da, wenn wir ihn nicht mehr spüren, oder das Gefühl haben, dass er sich „null“ für uns interessiert? Manchmal empfinden wir unser Leben wie ein Herumstochern im dichten Nebel, ohne Orientierung und Klarheit. Wir fühlen uns überfordert, oft so allein, vielleicht sogar mitten in Ehe und Familie. Wir sind andauernd müde und wollen angesichts des dunklen Alltags lieber die Augen schließen und in eine hoffentlich helle Traumwelt eintauchen.

Da tritt der Prophet an unsere Seite und ruft uns zu: „Du bist nicht allein. Du bist nicht verloren in der Finsternis. Gott ist da, an deiner Seite. Er sieht dich und er liebt dich.“ Jetzt kommt alles darauf an, dass wir ihm glauben. Dass wir unser Leben, so müde und verzagt es auch sein mag, in die Hände Gottes fallen lassen, damit es in uns und um uns wieder hell wird. Ich bin froh, dass es in dieser dunklen Jahreszeit Weihnachten gibt. Und das nicht nur wegen der vielen Kerzen, den licht­geschmückten Straßen und den Lichtern am Christbaum. Sondern weil uns dieses Licht Gottes aus dem Stall in unsere Seele scheint. ER ist unser Bruder geworden. Sein Name ist „Immanuel“, „Gott mit uns“! Geboren, um unser Leben heller zu machen: „Ich bin das Licht der Welt“. Ich bin dein Licht.

Amen.

Ihr und euer Pastor Dirk Liebern